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11.01.12 09:41 Uhr Alter: 129 Tage

Volles Haus beim Neujahrsempfang der Verbandsgemeinde

 

Der diesjährige Neujahrsempfang der Verbandsgemeinde, zu dem Bürgermeister Uwe Schwind das elfte Mal in Folge eingeladen hatte, stieß auf eine außergewöhnlich gute Resonanz. In das Ziegeleimuseum waren Bürger der Verbandsgemeinde aus allen gesellschaftlichen Bereichen gekommen, von örtlichen Vereinen, Parteien, Institutionen wie Schulen und Kirchen bis hin zu den freiwilligen Feuerwehren der vier Ortsgemeinden. Sie verfolgten die Neujahrsansprache von Schwind und genossen das ansprechende musikalische Programm, das an diesem Vormittag geboten wurde.

Als Gastgeber begrüßte Bürgermeister Schwind die Besucher, danach übermittelte Ortsbürgermeister Jörg Scherer als Hausherr des Museums seine Neujahrsgrüße. Eine gute Tradition ist der Besuch der amtierenden „Hoheiten“ der Verbandsgemeinde beim Neujahrsempfang. Tabakkönigin Lisa I. (Lisa Zwick) aus Hatzenbühl blickte auf ihre wichtigsten Auftritte als Tabakkönigin im letzten Jahr zurück und beendete ihre Rede mit einem Spruch zu guten Vorsätzen für das neue Jahr. Das amtierende Rheinzaberner Prinzenpaar, Prinz Hans III. und Prinzessin Rezzan I. (Hans und Rezzan Eßwein), die auch zum ersten Mal in der Geschichte der Rheinzaberner Fasnacht im „bürgerlichen Leben“ ein Ehepaar sind, waren ganz überwältigt von der Masse an Gästen im Museum. Sie verbreiteten mit ihren Versen Lust auf die kommende Fasenacht und schlossen mit dem närrischen „Rheinzammer“ Fasenachts-Gruß „Rhe-Na“.

Die „gekrönten Häupter“ der Verbandsgemeinde Jockgrim
V.l.n.r.: Prinz Hans III. und Prinzessin Rezzan I. von der Rheinzaberner Fasenacht und die Hatzenbühler Tabakkönigin Lisa I.


Seine Neujahrsansprache begann Bürgermeister Schwind mit der Finanzlage der Verbandsgemeinde, die in diesem Jahr 40 Jahre besteht, und der Ortsgemeinden. „Unsere Welt ist eben nach wie vor vom Materiellen dominiert und bei Geld, vor allem, wenn es nicht mehr ausreichend vorhanden ist, ist sehr schnell „Schluss mit lustig!“ Außerdem begrenzten die Finanzen auch den kommunalen Spielraum, deshalb stehe die finanzielle Situation an erster Stelle seiner Rede.
Als gute Nachricht erklärte er, dass die Steuereinnahmen steigen würden, aber Schulden

 

in den Ortsgemeinden müssten trotzdem beachtet werden. Die Verbandsgemeinde selbst blieb auch 2011 schuldenfrei, sie habe sogar noch ein Finanzpolster von einer Million Euro. Es stehen aber drei große Schulbaumaßnahmen an, die das Polster aufbrauchen
und eine Kreditaufnahme nötig machen. Bei seinem Blick auf die vier Gemeinden nannte er für Jockgrim einen Schuldenstand von ca. 7 Millionen Euro, der aber durch den Verkauf von Bauplätzen im Gebiet „Waldäcker“ weiter zurück gehe. Hatzenbühl habe noch rund eine Million Schulden, auch diese könnten durch Grundstückverkäufe reduziert werden. Rheinzabern habe keine Schulden, da die Gemeinde ihre Investitionen bisher durch Geld aus der Rücklage bezahlen konnte, die nunmehr aber bis auf 50.000 Euro zurück gegangen sei. Neupotz habe sogar noch 1,8 Millionen Euro in der Rücklage. Dank des kommunalen Entschuldungsfonds werden in den nächsten 15 Jahren die Schulden in Hatzenbühl und Jockgrim spürbar sinken.
„Die Verbandsgemeinde will ihre Aufgaben, möglichst einvernehmlich über alle Parteigrenzen hinweg, erfüllen und somit für das Allgemeinwohl da sein“, eröffnete Schwind seinen Blick auf die Aufgaben der Verbandsgemeinde. Im Abwasserbereich konnten die Beiträge im sechsten Jahr in Folge stabil gehalten werden und das, obwohl ständig in die Anlagen investiert wurde. Ein großer Schritt war der Anschluss der Ortsgemeinde Neupotz an die zentrale Kläranlage in Rheinzabern und der Umbau der ehemaligen Kläranlage zum Pumpwerk in Verbindung mit Regenrückhaltebecken. Für 2012 plane das Abwasserwerk eine Kanal-Aufdimensionierung, also das Vergrößern der Leitungskapazitäten, in Hatzenbühl und das Beseitigen von Schwachpunkten in der Hatzenbühler Kanalisation.
Im Schulbereich sind für dieses Jahr drei große Bauvorhaben geplant. Die Grundschulen in Hatzenbühl und Rheinzabern werden um notwendige Räume erweitert, für jeweils rund eine Million Euro Bruttobaukosten, so Schwind. Dazu gebe das Land Zuschüsse und wenn das Baugenehmigungsverfahren planmäßig verlaufe, soll in diesem Jahr noch Baubeginn sein. Auch an der IGS ist ein Neubau vorgesehen. Wunsch wäre, dass auch dieser in diesem Jahr gestartet wird. Die Situation der IGS sei aber komplexer als an den Grundschulen, da die Verbandsgemeinde Eigentümerin des Schulgebäudes ist, während Schulträger der Landkreis Germersheim ist. Für die Baukosten wird Stand heute mit einer Summe von zwölf Millionen Euro gerechnet, auf die Verbandsgemeinde entfallen davon rund fünf Millionen, nach Abzug des Landeszuschusses und des Anteils des Landkreises für die geplante Oberstufe. Diese Kosten trage die Verbandsgemeinde aber gerne, denn Uwe Schwind erklärte sich überzeugt davon: „Die IGS kann aus meiner Sicht als unsere Schule gesehen werden, weil inzwischen im dritten Jahrgang sage und schreibe 75 Prozent der angemeldeten Kinder, also drei Viertel der Schülerschaft, aus unserer Verbandsgemeinde kommen. Dies bedeutet, dass die Schule von unserer Bevölkerung bei bestehender Wahlfreiheit hervorragend angenommen wird!“ Leider konnte an der Grundschule Hatzenbühl noch keine Ganztagsschule des Landes eingerichtet werden, da der Antrag vom Land vorerst zurück gestellt wurde, weil erst andere Verbandsgemeinden im Norden des Landes, die bisher noch gar keine Ganztagsschule haben, versorgt werden müssen. Je nach Nachfrage möchte die Verbandsgemeinde auch an der Grundschule in Neupotz mit einer Nachmittagsbetreuung beginnen.
Eine wichtige Personalentscheidung steht in der Verwaltung an, denn bis zum Sommer muss die Stelle des Büroleiters neu besetzt werden, der jetzige Stelleninhaber Paul Dobler geht in den Ruhestand.

 

Für ein gelungenes Rahmenprogramm sorgte der Kinder- und Jugendchor „Froschkönige“ aus Jockgrim unter der Leitung von Eva-Maria Roth


Bürgermeister Schwind blickte auch auf die vier Ortsgemeinden und ihre aktuellen Aufgabenschwerpunkte. Neupotz als kleinster der vier Orte hat auf seiner Liste die Entschlammung des Neupotzer Altrheins stehen, die Sanierung des hinteren Teils des Anwesens Trapp und die Brandschutzmaßnahmen im Kultur- und Freizeithaus. Der Platz vor der Kirche werde erst dann saniert, wenn ein größerer Landeszuschuss komme. „Dies ist eine vernünftige, eine sehr kluge Haltung des Ortsgemeinderates“, urteilte der Bürgermeister. Für Hatzenbühl stehen der Bau eines Kunstrasenplatzes, das Vermarkten des neuen Gewerbegebietes und einzelner Wohnbaugrundstücke auf der Erledigungsliste. Langfristig stehe aber auch das Lösen der Verkehrsproblematik durch die beiden in Nord-Süd und Ost-West-Richtung durch den Ort ziehenden Kreisstraßen an. In Rheinzabern wurde im letzten Jahr die gemeindeeigene Sporthalle eingeweiht, ein nach Schwind gelungenes Bauwerk. Nach dem Fertigstellen der Außenanlagen werde jetzt auch das Sporthallen-Grundstück  aus dem Gesamteigentum der Verbandsgemeinde heraus gemessen und kostenlos der Ortsgemeinde Rheinzabern rückübertragen, so wie es ursprünglich einmal die Verbandsgemeinde kostenlos für Schulzwecke von der Ortsgemeinde erhalten hat. Für zwei Anwesen, die von der Ortsgemeinde gekauft wurden, nämlich die ehemalige „Esskurve“ und die ehemalige Gärtnerei Arbitter, kann im neuen Jahr eine neue Verwendung gefunden werden. Für Jockgrim mahnte der Bürgermeister zu „ruhig Blut“, da die Verkehrsproblematik im Hinterstädtel von den Anwohnern wieder in den Vordergrund gerückt wird. „Die vorhandenen Kindergärten werden mit großem finanziellen Engagement der Ortsgemeinde in Ordnung gebracht“, dies sei aber nur folgerichtig, da Jockgrim mit einem günstigeren Verkaufspreis der Grundstücke im Wohnbaugebiet „Waldäcker“ bewusst junge Familien in der Gemeinde ansiedeln möchte. Anspruchsvoll, ja geradezu schwierig wird es werden, für das ehemalige Tanklagergelände an der B9 eine sinnvolle Anschlussnutzung zu finden. Die Möglichkeiten seien beschränkt, da dort kein zusätzlicher Straßenanschluss vom Bundesverkehrsministerium an die B9 genehmigt werde. Ein von der Verbandsgemeinde in Auftrag gegebenes Einzelhandelskonzept soll auch die Chancen für einen großflächigen Einzelhandelsbetrieb in Jockgrim prüfen.
„Die Perspektiven in der Verbandsgemeinde sind eindeutig positiv“, zog der Bürgermeister abschließend sein Fazit, „auch wenn uns die immer geringer werdenden Finanzierungsspielräume zu denken geben müssen und uns nach Verwirklichung des noch vorhandenen Programms eigentlich eine Phase der Konsolidierung nahe legen.“ Dass die vier Wohnorte tatsächlich attraktiv und im Aufwärtstrend sind, zeige die steigende Einwohnerzahl.
Bürgermeister Uwe Schwind dankte allen, die mit geholfen haben, die Verbandsgemeinde und die Ortsgemeinden wieder ein Stück liebenswerter und damit lebenswerter zu gestalten. Auf die ehrenamtlich Tätigen wird es in  Zukunft besonders ankommen. Dazu gehören auch die Feuerwehrleute, die ihren Mitmenschen in Not helfen und geradezu exemplarisch für gesellschaftliche Aktivposten stehen.
Deshalb schloss sich an die Reden und dem heiter-beschwingten Vortrag von Erich Hoffmann aus Neupotz über die „Fahnenweihe“ auch die Ehrung von langjährigen aktiven Feuerwehrleuten an.

Erich Hoffmann trug gekonnt und mit passendem Zylinder die „Fahnenweihe“ vom über die Region hinaus bekannten „Bellemer Heiner“ vor

„Die Feuerwehrleute schützen uns alle vor vielfältigen Gefahren und eben gerade nicht nur in ihren Heimatorten, sondern im gesamten Verbandsgemeindegebiet“, begründete der Bürgermeister die Ehrungen auf Verbandsgemeindeebene. Größere Einsätze können nicht mehr nur mit den verfügbaren Feuerwehrfrauen und -männern der jeweiligen Ortswehr bewältigt werden, deshalb sei es schon längst Alltag geworden, dass sich die Wehren von Jockgrim, Hatzenbühl, Neupotz und Rheinzabern gegenseitig unterstützen. „Für die wichtige ehrenamtliche Arbeit der Feuerwehren sage ich bewusst Dank, auch im Namen der Bürger der Verbandsgemeinde“, leitete der Bürgermeister die Ehrungen ein. Unterstützt von Wehrleiter Hans-Jürgen Lugscheider, überreichte Uwe Schwind Markus Heid aus Neupotz für 25 Jahre aktiven Dienst das Silberne Feuerwehr-Ehrenzeichen des Landes Rheinland-Pfalz. Seit 35 Jahren sind Roland Bellaire, Walter Heid und Konrad Trapp aus Neupotz aktiv, dafür bekamen sie das Goldene Feuerwehrabzeichen. Aus Jockgrim versieht seit 35 Jahren Matthias Brislinger aktiven Feuerwehrdienst. Er trat mit 13 Jahren der Jugendfeuerwehr Jockgrim bei und ist seit Jahren Schriftführer des Jockgrimer Feuerwehrvereins. Eine ganze Reihe „wirklich erfahrene und altgediente Feuerwehrleute“, sagte der Bürgermeister, sind bereits seit 45 Jahren aktiv dabei. Sie traten alle im Jahr 1966 den Feuerwehren bei. Es sind dies Arnulf Reiß aus Hatzenbühl, Kurt Keiber und Richard Schwan aus Rheinzabern sowie die Brüder Bruno und Leonhard Reiß aus Jockgrim. Leonhard Reiß war außerdem über zehn Jahre Wehrführer in Jockgrim.

Mit schwungvollen Melodien unterhielt die Jugendkapelle des Musikvereins „Lyra“ Rheinzabern mit ihrem Dirigenten Sebastian Croneiß die Besucher des Neujahrsempfanges

Für Kurzweil während des Neujahrsempfangs sorgte die Jugendkapelle des Musikvereins Lyra Rheinzabern mit ihrem Dirigenten Sebastian Croneiß, der Kinder- und Jugendchor „Froschkönige“ unter Leitung von Eva-Maria Roth und eine Gruppe der diesjährigen Sternsinger aus Jockgrim, angeführt von Pfarrer Roland Hund, brachte den kirchlichen Segen in das Ziegeleimuseum.

 

Pfarrer Roland Hund mit einer Abordnung der Sternsinger

 
 

Das Foto zeigt die geehrten Feuerwehrmänner und Gratulanten von links nach rechts:
Bruno Reiß, Jockgrim (45 J.); Richard Schwan, Rheinzabern (45 J.); Leonhard Reiß, Jockgrim (45 J.); Kurt Keiber, Rheinzabern (45 J.); Matthias Brislinger, Jockgrim (35 J.); Konrad Trapp, Neupotz (35 J.); Arnulf Reiß, Hatzenbühl (45 J.); Markus Heid, Neupotz (25 J.); Roland Bellaire, Neupotz (35 J.); Bürgermeister Uwe Schwind; Walter Heid, Neupotz (35 J.); Wehrleiter Hans-Jürgen Lugscheider und Verbandsgemeinde-Beigeordneter und Ortsbürgermeister Jörg Scherer